Vettel sucht das Glück

Das große Vettel-Vau, lange nicht mehr gesehen. Jedenfalls nicht das für Victory. Zwei Monate her, beim strahlenden Mittelmeer-Grand-Prix in Valencia. Beim 13. Formel-1-Rennen des Jahres war es eher ein dem schauerlichen Wetter entsprechendes kleines vau – für verschätzen, vergeben, verlieren. Zumindest diesen Großen Preis von Belgien. Vielleicht aber auch für das Vergessen des ganzen Unternehmens Weltmeisterschaft?

Für das entscheidende Drittel der Saison braucht der Heppenheimer mehr als Glück, das er sich so sehnlich wieder auf seiner Seite wünscht. Das aber auch in Spa der Konkurrenz hold war – Lewis Hamilton, als er kurz vor Schluss zwar in den Kies rauschte, aber nicht die Reifenwand touchierte. Oder Mark Webber, der zwar mit einer schlafenden Kupplung am Start liegen blieb, trotzdem aber als Zweiter ins Ziel kam. Zwei unspektakuläre, aber solide und effiziente Beispiele von den beiden Piloten, die jetzt vor dem 23-Jährigen in der WM-Wertung führen, und zwar mit zunehmendem Abstand: Hamilton mit 182 Punkten vor Webber (179) und Vettel (151). Durch den Crashkurs hat er an Boden verloren, und auch ein wenig an Renommee. Da macht sich einer, im überlegenen Auto sitzend und mit einem Überschuss an Talent gesegnet, selbst das Leben schwer.

Einsichtiger Unfallverursacher

Dass nicht auch noch Jenson Button (147) vor die deutsche Hoffnung rutschte, verhinderte Vettel hingegen selbst, als er den Briten, hinter dem er lange fest hing, ausgerechnet auf einer Bodenwelle zu überholen versuchte. Raus aus dem Windschatten, und dann ab in die Mitte des britischen Silberpfeils. Ein heftiger Schlag für Buttons Titelchancen, aber auch für die des unglücklichen Angreifers selbst. Dass Vettel sofort die Schuld auf sich nahm, ist eine deutliche mentale Verbesserung gegenüber den letzten Uneinsichtigkeiten. Aber die Boxendurchfahrtsstrafe für das gefährliche Manöver ruinierte sein Rennen noch vor dem Plattfuß, der ihn endgültig auf Rang 15 dahindümpeln ließ. Der Unglücksrabe führt zur Verteidigung an, dass er es nur an dieser Stelle probieren konnte, da überall sonst der McLaren aerodynamisch zu überlegen war. Aber musste es genau in diesem Moment sein? McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh schäumt: “Das war nicht zu fassen. Sebastian macht es sich zur Gewohnheit, mit anderen zu kollidieren. Es wäre schöner, wenn er seinem Teamkollegen reinfährt…”

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